Mittwoch, 4. November 2009

Schon dabei, doch besser?

Ja, besser ist es auf jeden Fall. Mindestens besser als in den ersten Tagen hier. Ich war ja ganz verloren - "ich wusste nicht mehr, wie ich rauskomm`". Doch hatte ich immer wieder Glück - man leistete mir Hilfe, ohne die ich entweder entweder mehr Zeit oder mehr Geld gebraucht hätte.
Jetzt habe ich schon ein eigenes Zimmer - es ist nichts Besonderes, doch ist dagegen nicht ganz klein. Es befindet sich in der Wohnung eines 36-jährigen U-Bahn-Wachmann/Busfahrer/was-es-sich-ergibt, die sich in Perlach befindet. Zur Uni fahre ich zuerst 3 Minuten mit einem Bus und dann mit 2 U-Bahn-Linien. Ich bin für insgesamt ca. 30-40 Minuten da.
Ich bezahle 250 Euro pro Monat, was auch die Nebenkosten einschließt und für München recht billig ist. Die Wohnung ist ein bisschen schmutzig, aber heute putzte ich schon mein Zimmer und ich ordnete schon meine Sachen. Sonst habe ich alles dabei - Waschmaschine, Backofen, eigenen Kühlschrank, Spülmaschine, die aber natürlich - einschließlich die Toilette und das Bad - mitbenutzt werden müssen.
Die Einführungsveranstaltungen waren ja langweilig, aber ich lernte in der Zwischenzeit viele Leute kennen. Im Kurs gibt es - soviel ich weiß - 4 Bulgare - zwei Mädchen und zwei Jungen (mich einschließlich). Außer ihnen kenne ich noch ein paar Kommilitonen - meistens (Halb-)Deutsche und auch eine Rumänin, die echt toll ist.
Die erste Vorlesung, die eigentlich heute stattfand, war Statistik - man denkt, das sei kein guter Start - es war aber trotz Erwartung recht interessant. Ich lernte bisher sowieso in einem Mathegymnasium, Mathe soll für mich also nicht schwierig sein.
Ich bin seit genau 10 Tage hier, doch war ich schon in drei Discos. Die erste war Beach 38° am Freitag. Da gab es eine ERASMUS-Party und obwohl ich keinen ERASMUS-Student bin, wurde ich von einer Facebook-Freundin eingeladen und ging einfach mit. Da traf ich mehrere Menschen und hatte echt viel Spaß. Dann am Samstag ging ich mit einem Engländer aus. Es war etwas wie ein second Date. Wir waren in einem Bar und dann in zwei Discos. Die zweite war schon eine Schwul-Disco. Was danach passiert, bleibt ja privat.
Das Gute ist, dass ich innerhalb 10 Tage mich schon wohl fühle - mir ist es ruhig, ich habe viele Bekannte, mit denen ich ausgehen, reden oder mitteilen kann. Nach nur 10 Tagen sieht das Leben, das ich mir hier ex nihil bilden soll, schon ziemlich gut aus. Doch bleibt immer noch die Angst, dass ich es trotzdem bis zum Ende nicht schaffen kann...

Samstag, 10. Oktober 2009

In between

Seit gestern bin ich schon in München. Ich übernachte bei dem Bekannten. Ich habe schon ein Konto, in ein paar Tagen auch ein o2-Vertrag und hoffentlich bald ein eigenes Zimmer. Heute sprach ich aber von einem Internet-Callcenter nur mit Anrufbeantworter. Vielleicht fährt man am Wochenende. Dennoch fand ich dieses Zentrum erst um 12 Uhr 30, vorher war ich noch einmal bei der Bank, ich brauchte auch ein bisschen Geld von meinem bulgarischen Konto.
Ich sprach eigentlich auch mit realen Menschen - das billigste Zimmer, das ich gefunden hatte (nämlich 150 Euro monatlich, weil es sich weit vom Zentrum befindet, weil das Zimmer sehr einfach ist und in einer WG mit dem 60-jährigen Eigentümer ist) - war aber schon besetzt. Mit einer Frau konnte ich dann einen Besichtigungstermin ausmachen. Das Haus konnte ich aber nicht finden und der Frau nicht anrufen. So ging ich einfach zurück. Bis jetzt gibt es also mit der Unterkunft keinen Fortschritt. Ich glaube aber, dass alles bald gut geht. Es ist völlig sinnlos, dass ich mir Sorgen mache.
Meine erste Einführungsveranstaltung findet sonst am Mittwoch statt. Ich soll mich dann sehr gut anziehen, weil der erste Eindruck ausschlaggebend ist. Ich werde dann meine Komilitonen zum ersten Mal treffen. Erst dann werde ich also fühlen, wozu ich hier bin. Momentan fühlt es sich, als wäre das alles ein Spiel, ein Traum, etwas Unechtes. Ich dachte schon mehrmals "Als ich zu Hause bin, würde ich..." und dann sehe ein, dass ich nicht mehr nach Hause gehen würde. Hier ist mein Zuhause, hier werde ich in den nächsten Jahren leben.
Wenn ich schon eine eigene Unterkunft habe, dann werde ich alleine alles so ordnen, wie ich will - ich meine nicht nur das Zimmer, sondern meine Zeit, mein "Wochenessenplan", meine Kleider (die momentan noch in den Sacken und Koffern eingesteckt bleiben), mein ganzes Leben. Weil ich jetzt "in between" bin - zwischen meiner Vergangenheit und meiner Zukunft, zwischen Bulgarien und Deutschland, zwischen dem Schulleben und dem Studium, zwischen dem Leben bei den Eltern und der Selbstständigkeit.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Glücklicherweise

In zwei Tagen fahre ich nach München an. In drei bin ich schon da. Ich schlafe zuerst bei einem Bekannten, weil ich mir von hier selbstverständlich kein Zimmer besorgen kann. Ich hoffe, dass es, trotz was mir man ständig sagt (dass es in München mit den Wohnungen ein bisschen schwer sei), nicht zu lange dauert, bis ich etwas Günstiges finde. Mir ist es ausschlaggebend, dass ich etwas richtig billig finde, weil ich nur so auch ein soziales Leben haben kann.
Ich verfüge natürlich über begrenzte Finanzmittel. Doch will ich nirgendwo anders studieren, außer in München. Ein Bekannter hat mir gesagt, dass LMU die beste Uni Deutschlands ist. Ich bin stolz darauf, daran studieren zu dürfen. Hoffentlich bin ich auf Niveau. Ich weiß nicht. Die Schulleistungen habe ich zu leicht bekommen - ich bin immer der Lieblingsschüler gewesen. An der Uni geht das nicht so. In Deutschland geht das nicht so.
Doch bin ich, wie immer, optimistisch. Ich glaube, dass ich ehrgeizig genug bin, alles erreichen zu können. Irgendwie bin ich sowieso zu der Weltanschauung geraten, dass alles so ist, wie es sein soll. Ich mache mir deswegen normalerweise wenig Sorgen. Die anderen halten mich als Folge für unachtsam. Ich bin aber nicht so. Ich denke eigentlich mehr, als ich soll - immer und an alles. Ich bin aber gleichfalls auch spontan. Sie werden sehen - ich bin ein Mensch der Kontrasten.
Und jetzt fange ich meinen größten Experiment an - mein Studium, meine Selbstständigkeit, meine Emigration. Denn ich bin glücklicherweise nicht in Deutschland geboren und gewachsen, sondern in Bulgarien. Sonst hätte ich nicht so geworden, wie ich bin.